Society, I hope you’re not lonely without me

When you want more than you have, you think you need
And when you think more than you want, your thoughts begin to bleed.
I think I need to find a bigger place
Cause when you have more than you think, you need more space.

Das Lied „Society“ von Eddie Vedder erinnert mich an Into the Wild (Sean Penn, 2007), schließlich ist es auch der offizielle Soundtrack. Alleine durch diesen kurzen Ausschnitt aus dem Lied kann man schon eine Vermutung entwickeln, womit sich der Film auseinandersetzt. Sobald die Klänge des Liedes an meine Ohren dringen, zeichnet sich bereits ein Bild des Films wie kein zweites vor mir ab. Aber zunächst zurück zu dem Film.

Als ich den Film Into the Wild das erste Mal sah, war ich gerade 12 Jahre alt. Vor meinen Augen entfalteten sich riesige, bislang noch unerreichbare Möglichkeiten dieser Welt. Ein Ausstieg aus der Gesellschaft, eine Flucht in die Natur, ganz ohne Wiederkehr. Das waren Ideen, die mir damals noch abwegig erschienen. Wer käme denn darauf, Geld einfach zu verbrennen, alle Sicherheit zurückzulassen und das Leben, das man bisher geführt hatte, gänzlich aufzugeben? Wieso sollte man nicht die Sicherheit eines schönen Zuhauses, eines gemachten Nests behalten, falls es einen doch zurücktreibt? Der Protagonist des Films, Christopher, der gerade seinen Abschluss in der Tasche hat und aus reicher Familie stammt, entscheidet sich gegen die Sicherheit und für das Risiko.

Mir wollte nicht in den Kopf hinein, dass es ebendies war, dass den Reiz seines Abenteuers ausmachte. Christopher war auf der Suche nach der Unsicherheit und Einsamkeit, die mir damals so ungeheuerlich vorkam. Ich saß dort, gefangen in meinem Mittelstufengehirn, mit dem übermäßigen Wunsch, ein akzeptierter Teil der Gesellschaft zu sein, und staunte über seine Waghalsigkeit. Eins ist klar, ich war definitiv nicht die Zielgruppe des Films, im Zweifel verstand ich ihn nicht einmal. Aber er hat sich trotzdem festgebrannt, als Idee oder als Inspiration, die bis heute geblieben ist.

Das oben erwähnte Bild, das sich dabei besonders in meiner Erinnerung verankert hat, ist der Moment, in dem Christopher den letzten Rest Zivilisation und Sicherheit in Form seines Autos und seines Restgelds zurücklässt und sich somit gänzlich dazu entschließt auszusteigen. Ein Moment, der stellvertretend für den ganzen Film seine Entscheidung bebildert. In seinem Rucksack nimmt er nur wenige Dinge mit sich. Er hinterlässt das brennende Geld und sein Auto einfach so in der Peripherie, dann bricht er zu Fuß auf. Ohne ein konkretes Ziel, ohne eine sichere Möglichkeit, zurückzukehren. All das lässt er in dieser Szene zurück und damit beginnt der Film erst so richtig.

Christopher lässt sein Auto und sein letztes bisschen Geld zurück und bricht auf in die Wildnis. © Paramount

Obwohl ich den Film nicht noch einmal gesehen habe, kam ich nicht umhin, alle Jahre wieder darüber nachzudenken und dessen Grundsatz in Erwägung zu ziehen. Mehr aber auch nicht, vielleicht auf Grund des Endes, das mich mit einem beklemmenden Gefühl zurückließ, auf Grund der vielen offenen Fragen, die ich mir seither nicht beantworten konnte. Aber Christophers Entschluss, die Zivilisation und die Gesellschaft hinter sich zu lassen, kommt mir heute gar nicht mehr unverständlich vor.

Zehn Jahre sind inzwischen vergangen und trotzdem bleibt meine Erinnerung an diesen Film sehr stark. Für mich ist Into the Wild ein Beispiel dafür, dass ein Film nicht immer sofort Wirkung zeigt, sondern auch Jahre später noch Gefühle auslösen und beeinflussen kann, ohne dass man sich dessen tatsächlich bewusst ist.

Was ich aus diesem Film tatsächlich mitgenommen habe? Ganz sicher bin ich mir noch nicht, aber er weckt ein bestimmtes Fernweh, er vermittelt das Verlangen, die Gesellschaft nicht allzu ernst zu nehmen und er animiert dazu, sein Leben der eigenen Nase nach zu gestalten. In der Hoffnung, dass ich eines Tages auch voller Überzeugung sagen kann:

Quelle: http://thebloodybaronishere.tumblr.com/post/112111302563/into-the-wild

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