Greased (En-)Lightning

Grease“ (Randal Kleiser, 1978) ist einer jener Filmklassiker, die alle kennen. Er ist ein Artefakt aus den 70ern – und zeigt deutlich auf, wie sich das Frauenbild in Filmen seitdem gewandelt hat.

Ich bin mit High School Musical aufgewachsen, habe alle vier Teile im Kino gesehen. Als mich eine Freundin informierte „Grease? Das ist High School Musical aus den 70ern!“ war mein Interesse geweckt. Back to the roots. Grundlagenforschung sozusagen.

Die perfekte Gelegenheit bot sich mir erst kürzlich. Denn „Grease“ hat es als Sing-A-Long-Version zurück ins Kino geschafft. Der ganze Kinosaal stimmt so bei Liedern wie „You are the one that I want“ mit ein. Zunächst zögerlich, später voller Inbrunst.

Nicht nur konnte ich an diesem Abende verborgene musische Talente ausleben und einen weiteren Filmklassiker von meiner movies-to-watch-Liste abhaken; auch die Erkenntnis, was sich in Sachen Emanzipation seit den 70ern getan hat, begleitete mich aus dem Kinosaal hinaus.

Seichte Teenie-Romanze bis kurz vor Ende

In „Grease“ erleben Danny (John Travolta) und Sandy (Olivia Newton-John) einen Sommer zusammen. Gen Herbst zieht es Olivia zurück in ihre Heimat nach Australien, ehe ihre Eltern sich für einen Umzug in die USA entscheiden. Sandy geht nun ebenfalls auf die Rydell High School; Danny kann als Mitglied der T-Birds allerdings nicht so einfach zu seinen Gefühlen stehen…

Sandy (Olivia Newton-John) während des Films / Credits: giphy.com

Sandy (Olivia Newton-John) während des Films / Credits: giphy.com

Der Film klingt nach seichter Unterhaltung und einem entspannten Kinoabend. Und war es auch. Bis zum letzten Song. Oder quasi kurz davor. Denn aus heutiger Perspektive, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen erhält der Film durch sein Ende einen bitteren Beigeschmack. Wir schreiben das Jahr 1959. Man stelle sich Sandy im Kontrast zu Danny vor: pastellgelbe, knöchellanger Rock und Cardigan versus Danny in Chucks, Jeans, T-Shirt und Lederjacke, alles in schwarz. Im Film nähern sie sich ein Stück weit an, driften dann wieder auseinander – die Unterschiede zu groß.

Soweit so gut. Eine typische Teenie-Liebes-Romanze à la High School Musical. Beide versuchen, sich zu ändern, um dem anderen zu gefallen: Erst Danny, dann Sandy. Wohingegen Danny sich zum braven Sportler entwickelt, legt Sandy einen 180-Grad-Wandel in die andere Richtung hin. Aus dem eher konservativ-unschuldigen Mädchen wird Dannys Traumfrau: komplett in schwarz, mit wallender Lockenpracht und roten High Heels gibt sie sich aufreizend. Und bleibt so. Anders als Danny. Happy End. Ende, aus.

Sandy (Olivia Newton-John) mit Danny (John Travolta) zum Ende des Films / Credits: giphy.com

Sandy (Olivia Newton-John) mit Danny (John Travolta) zum Ende des Films / Credits: giphy.com

Rote High Heels als Erinnerungsbild

Es ist ein Bild, das mir noch lange im Gedächtnis blieb. Sandy in ihren roten Heels. Rote Heels, die so viel mehr symbolisieren als ein paar schöne Schuhe. Rote Heels, die eine extreme Veränderung verdeutlichen. Und vor allem: Rote Heels, die die Entwicklung Sandys reduzieren. Das unschuldige, etwas naiv wirkende Mädchen von nebenan, das im Film selbstbewusst auftrat und sich nicht hat verbiegen lassen, wird eben gerade diese Frau, die sie nie sein wollte. Für einen Mann. Da schwingen ein Stück weit Unverständnis und Fassungslosigkeit in mir mit.

Wir schreiben das Jahr 2017. Wieso hat sich lediglich die Frau, nicht aber der Mann zu ändern? Im Produktionsjahr 1978 mag dies gesellschaftlich akzeptiert sein, 40 Jahre später gewiss nicht. Eine solch offensichtliche Voraussetzung für ein Happy End ist in heutigen Filmen undenkbar. Die Botschaft hat immer zu lauten: „Bleib dir treu“, „Du bist gut so, wie du bist“, „Verbieg dich niemals für die Liebe“.

Nun mag diese Beobachtung einer 22-jährigen Studentin (mir!) besonders aufstoßen, hat man doch 22 Jahre lang etliche Diskurse weiblicher Emanzipation verfolgt. Und bekommt mit „Grease“ prompt vor die Nase gesetzt, wie es eigentlich nicht zu sein hat. Fortschritte in der Frauen-Bewegung werden einem figurativ mit der wehenden roten Flagge aufgezeigt.

Und so lässt mich dieser Film einmal mehr erinnern, wie sehr sich die Rolle der Frau und deren Darstellung in Filmen seitdem geändert hat. Anhand eines Paares roter High Heels.

 

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